Wie finde ich den richtigen Hochzeitsfotografen?

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Liebes Brautpaar,

ich kenne euer Problem. Ich kenne es sogar ganz genau. Ihr seid auf der Suche nach dem perfekten Hochzeitsfotografen und dabei vielleicht ein wenig überfordert. Warum? Weil es einfach so viele Hochzeitsfotografen da Draußen gibt. In der Unübersichtlichkeit der Masse verliert man schnell einmal den Überblick. Und noch Schwieriger wird das Ganze dadurch, dass die Frage ja nicht nur ist, wer und was passt zu mir, sondern wer oder was passt zu UNS. Und jetzt haben wir das große Dilemma. Man ist verloren im großen Überangebot der Hochzeitsfotografie. Deshalb mein Appell an Euch: Lasst euch Zeit, bewahrt einen kühlen Kopf! Lasst euch auch ein wenig von eurem Bauchgefühl leiten, so wie ihr das vielleicht auch gemacht habt, wo ihr euch kennengelernt habt. Aber bitte macht nicht den Fehler und vergleicht Hochzeitsfotografen anhand ihres Angebots. Die Auswahl eines passenden Hochzeitsfotografen funktioniert einfach nicht wie ein WG-Casting. Es ist ein sehr viel persönlicherer Prozess.

Aber welche Auswahlkriterien sollte man für die Wahl seines Hochzeitsfotografen haben?

  • Vertrauen & Sympathie
    Der für euch perfekte Hochzeitsfotograf muss einfach zu euch passen. Es ist ein wenig wie beim Dating. Es gibt Situationen, da merkt man einfach, dass man nicht zusammenpasst, weil das Gespräch stockt. Man sitzt da und weiß nicht worüber man noch reden soll. Die Zeit vergeht unglaublich langsam und es entsteht eine für beide Seiten peinliche Situation, wo man sich nicht wirklich wohl fühlt. Klar kann man sich in dem Moment verstellen, wie ein Wackeldackel mit dem Kopf nicken und sich als genau der richtige Fotograf verkaufen. Aber wir sind alle nur Menschen und die Sympathie füreinander ist die Grundlage für Vertrauen. Und Vertrauen ist wiederum essentiell für Fotografie die nah dran ist am Menschen. Als Fotograf übertreten wir bei einer Hochzeit sehr oft eine gewisse Grenze der Intimität die oft nicht einmal Freunde überschreiten. Deshalb ist es so wichtig, dass Hochzeitspaar und Hochzeitsfotograf auf einer Wellenlänge sind. Und genau deshalb nehme ich mir so viel Zeit, um herauszufinden wer ihr wirklich seid und habe selbst auch keine Geheimnisse vor euch. Das sind dann die Gespräche, wo man total frei über Gott und die Welt sprechen kann. Manchmal ist bei mir ein Vorgespräch einfach unter einer haben Stunde vorbei und ich habe das Gefühl das Gespräch ist im Sand verlaufen. Und dann gibt es diese Gespräche, die so reich wie ein Fluss sind, ich so unglaublich viele Dinge über das Hochzeitspaar erfahre, wo ich selbst die Hose runterlasse und so viel von mir Preis gebe. Wo man das Gefühl hat, man passt einfach zusammen. Und genau dieses Gefühl ist wichtig!
  • Bildstil & Storytelling
    Ihr habt sicherlich schon gemerkt dass es so viele fotografische Stile gibt, wenn es um Hochzeitsfotografie geht. Ob hell, pastellig, erdig, warm, dunkel oder zeitlos neutrale Farben. Und dann gibt es auch noch verschiedenste fotografische Philosophien. Da gibt es Fotografen, die inszenieren das Brautpaar wie für ein Hochglanzmagazin pompös und zeigen Glamour, Schönheit und Reichtum in den Bildern. Dann gibt es solche Hochzeitsfotografen, die ihre Wurzeln eher im klassischen Fotojournalismus sehen und für ehrliches Storytelling möglichst wenig eingreifen. Bei denen der Mensch im Vordergrund steht. Und selbst bei den Paarfotos die immer in gewisser Weise inszenierte Bilder sind, gibt es so viele verschiedene Ansätze. Da gibt es Fotografen, welche in die Rolle eines Animateurs schlüpfen, mit Bengalos, Rauchwolken und Luftballons. Diese Shootings sind dann Party pur, laut, schrill und expressiv. Und es gibt Fotografen die betrachten solch ein Paarfotoshooting als etwas komplett ruhiges, als einen Moment des Innehaltens – fast schon meditativ. Wo die Konzentration nur zwischen dem Hochzeitspaar ist und man sich als Fotograf total zurücknimmt um einen hohen Grad an Intimität zu erreichen. Aber was ist nun richtig? Was ist für euch richtig? Ich kann es nicht sagen, da jedes Brautpaar unterschiedlich ist. Ich habe meinen fotografischen Ansatz, der aber nicht zu allen Brautpaaren passt. Wenn man sich ganz sicher sein möchte, ist ein gemeinsames Kennenlernshootings die ideale Möglichkeit dies herauszufinden. Weil es ist für die meisten Menschen ja absolut nicht alltäglich ist als Paar fotografiert zu werden. Es ist ungewohnt und anders. Deshalb geht einmal in euch und schaut was vom innersten Bauchgefühl her zu euch am Besten passt.
  • Angebot & Preis
    Wenn ihr Vertrauen und Sympathie zu eurem Fotografen aufgebaut habt, euch der Bildstil und die Art und Weise des Storytellings gefällt, dann erst solltet ihr Angebot und Preis betrachten. Ich weiß, dass so ein Hochzeitsfotograf ein großer Posten in der Hochzeitskasse ist. Es erscheint erstmal diese große Summe X und man überlegt ganz wirtschaftlich ob es denn all das Wert ist. Aber betrachtet diese Frage einmal in der Zukunft, wenn ihr rückwirkend betrachtet eure Hochzeit anschaut. Die Hochzeitsfotos sind eine Art Zeitreise in die eigene Vergangenheit, in das Hier und Jetzt und die gemeinsame Zukunft. Es sind zeithistorische Dokumente die im Alter immer mehr an Wertigkeit & Wichtigkeit erlangen. Sie reifen wie ein guter Rotwein oder Whiskey. In all der Bilderflut die heutzutage besteht, haben wir fast schon verlernt uns auf Momente zu konzentrieren. Jeden Tag werden wir erschlagen von Fotos aber es gibt Bilder die brennen sich in unser persönliches oder kollektives Gedächtnis ein. Was möchte ich damit sagen? Es ist unwichtig ob ihr von eurem Fotografen 500 oder 600 Bilder bekommt. Am Ende ist viel wichtiger ob diese Bilder als zusammenhängendes Werk eure Hochzeit allumfassend wiedergeben. Ob euch die Bilder das Gefühl geben, wieder den Tag zu durchleben. Ob ihr die Stimmung, die Emotionen, die Momente zurückerlangt. Und jetzt fragt euch einmal genau, ob 100 Bilder mehr oder weniger hierfür wirklich relevant sind? Ich glaube an das Konzept von Qualität vor Quantität. Es macht keinen Sinn dem Brautpaar mehr abzugeben, um das Angebot aufzublähen. Am Ende leidet zwangsläufig die Qualität des Gesamten. Man muss Hochzeitsfotografie immer als Reportage, als Gesamtgeschichte betrachten. Es sind nicht bloß schöne Einzelfotos. Es sind viel eher Einzelmomente die miteinander harmonieren müssen – die eine Einheit bilden. Reduktion, Fokus auf das Wesentliche, das Wichtige. Macht eure Entscheidung für den passenden Hochzeitsfotografen also nicht abhängig von der Bildanzahl, denn ein guter Fotograf wird wissen, wann eine Hochzeitsreportage auserzählt ist. Auch Dinge wie Anzahl an gedruckten Fotos sind kein Kriterium für den richtigen Fotografen. Bilder lassen sich heutzutage sehr einfach reproduzieren. Wir Fotografen geben den Auftrag auch nur an eine Druckerei weiter. Meiner Meinung nach sollten Hochzeitsfotos jedoch immer gedruckt werden. Das Medium Fotografie erhält seinen Reiz erst durch die Haptik, durch den Anmut der Oberfläche, durch die Tiefe der Schwärzen und den Reichtum der Farben in gedruckter Form. Um den Bildern den nötigen Respekt zu geben, sollte man jedoch aus eigener Erfahrung nur ein hochwertiges Album drucken lassen. Diese Alben sind nicht günstig, aber sie sind es auf alle Fälle wert. Es sind hochwertige Bücher aus hochwertigen Materialien, nach künstlerischer Buchbinderkunst erstellt. Günstig geht hier einfach nicht, da es Unikate sind. Ich habe selbst schon Bücher handgebunden und weiß wie viel Arbeit darin steckt. Viele Fotobücher in Angeboten von Hochzeitsfotografen sind kleine Formate von günstiger Discountdruckereien die nicht an die Qualität eines hochwertigen Hochzeitsalbums heranreichen können. Am Ende habt ihr also vielleicht ein minderwertiges Album im Angebot und ärgert euch nach ein paar Jahren, wenn sich die einzelnen Seiten herauslösen oder die Farben schon verblassen. Qualität hat einfach seinen Preis, aber es lohnt sich langfristig betrachtet diesen Preis zu investieren.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig bei eurer Entscheidungsfindung helfen. Und selbst, wenn ihr euch am Ende für einen anderen Hochzeitsfotografen entscheidet, freue ich mich darüber. Weil dieser vielleicht viel besser zu euch passt als ich. Und darum geht es doch am Ende.

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